SPD Fraktion im Rat der Samtgemeinde Brookmerland beschließt Resolution zum Stromtrassenverlauf

Die Samtgemeinde Brookmerland steht zur Energiewende. Fordert jedoch beim Netzausbau ein landschaftsverträgliches und bürgerfreundliches Verfahren ein.

Offshore-Projekte Nordsee (D)
Konverterstation DC/AC

Resolution:

Der Rat der Samtgemeinde möge beschließen:
In der Ableitung der Energie der Offshore Windanlagen fordert der Rat der Samtgemeinde Brookmerland den Netzbetreiber auf, die Belange der Region aufzunehmen und statt der Freileitung eine Erdverkabelung vorzunehmen und den Netzverknüpfungspunkt an die Verbrauchsorte heranzuführen.

 

Begründung:

Vorweg ist grundsätzlich festzustellen, das die Zielsetzungen der Energiewende nicht in Frage gestellt wird. Mit der Ausweisung aller planungsrechtlich verfügbaren Sonderbauflächen für Onshore -Windkraftanlagen, den vorhandenen Biogas- und Photovoltaikanlagen trägt die Gemeinde bereits jetzt über das durchschnittliche Maß hinaus zur alternativen Stromerzeugung bei.

Die Samtgemeinde hat zudem die Planungen und Umsetzung von 4 Erdkabelsystemen über zwei Trassenkorridore (BORWIN und DOLWIN), die das Brookmerland in Nordsüdrichtung vollständig durchqueren, wohlwollend unterstützt. Gemeinsam mit Vertretern des Übertragungsnetzbetreibers Tennet und den nach geordneten Tiefbauunternehmen wurden Wege zu den Bautrassen geschaffen und örtliche Hemmnisse beseitigt. An dieser Stelle bleibt festzustellen, dass insbesondere der intensive Schwerlastverkehr im Rahmen
der Netzbauarbeiten tlw. zu erheblichen Straßenschäden und Belastungen der ländlichen Kommunen führt.

Für das Brookmerland als küstennahe ländliche Gemeinde, die in hohem Maße vom sanften Tourismus und von landwirtschaftlicher Nutzung geprägt ist, ist die Art der Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen zum Netzausbau von extensieler Bedeutung.

Mit dem Raumordnungsverfahren zur Einrichtung einer Konverterstation als Netzverknüpfungspunkt „Umspannwerk Halbemond“ südlich der Stadt Norden werden die Voraussetzungen geschaffen, von der bisherigen Kabelverlegung abzuweichen und den Netzausbau ab dem UW Halbemond im Freileitungsbau fortzusetzen.

Der Rat der Samtgemeinde Brookmerland spricht sich entschieden gegen die Fortführung dieser Planungen aus.

Der Landkreis Aurich und insbesondere die Samtgemeinde Brookmerland zählen auf Grund ihrer geographischen Lage zu den am stärksten durch die Energiewende belasteten Regionen im Bundesgebiet. Die starken Belastungen für Mensch und Umwelt in dieser Region sind vor dem Hintergrund der lokalen Akzeptanz und in Anbetracht des touristischen Qualitätsverlustes (massiver Eingriff in das Landschaftsbild) auf das minimal zulässige Erfordernis zu reduzieren. Diese Zielsetzung wird in der bisherigen Netzausbauplanung nicht
ausreichend abgewogen und berücksichtigt.

Es ist nicht nachzuvollziehen, dass im Zuge der Ausweisung von Sonderbauflächen für Onshore-Windkraftanlagen der Eingriff in Natur und Landschaft in Abhängigkeit zum Landschaftsbild gestellt wird, wobei die
Netzausbauplanung dieses Kriterium weitestgehend außer Betracht lässt.

Zielsetzung der Bündelung der Trassenkorridore wird mit der Errichtung des UW Halbemond und den damit verbundenen Freilandkabeltrassen nicht erreicht.

Das Erfordernis eines so massiven dauerhaften Eingriffs in Natur und Landschaft ist im Hinblick auf den zeitlichen Horizont der Umsetzung nicht ausreichend begründet.

Das Planfeststellungsverfahren für ein Umspannwerk ist ohne die Betrachtung des sich daraus ergebenen Trassenkorridors nicht zielführend, da die Auswirkungen des Trassenverlaufes auf Mensch, Natur und Landschaft nicht in die Abwägung eines geeigneten Konverterstandortes einfließen. Eine Standortbewertung nur auf lokale Abwägungskriterien abzustellen ist planungsrechtlich kritisch zu bewerten.

Wir fordern daher bei der Betrachtung Konverter/Trassenführung (Freileitung) zusammenzufassen. Vorteil dieser ganzheitlichen Betrachtung ist, dass dadurch die zeitlichen Verluste in der Weiterführung reduziert werden und so
kein zeitlicher Verlust im Netzausbau entsteht.

Erfordernis einer Freilandverkabelung gegenüber der Trassenführung im Kabelgraben wird zudem ebenfalls nicht ausreichend abgewogen. Bekanntermaßen wiegen die langfristig hohen Unterhaltungskosten für Freilandanlagen die Mehrkosten für die Verlegung eines Erdkabelsystems auf.

Die Erfahrungen mit der bereits durchgeführten Erdverkabelung zeigen zudem auch, dass es hier trotz aller Widrigkeiten zu einem Konsens zwischen den Kommunen, den betroffenen Grundstückseigentümern und dem
Übertragungsnetzbetreiber Tennet gekommen ist. Ein Abweichen von den bisherigen Planungen ist nicht zielführend und birgt ein hohes Maß an zusätzlichem Konfliktpotential, die dem übergeordneten Ziel der Umsetzung
der Energiewende nicht zuträglich ist

 

Otto Thiele
Fraktionsvorsitzender
 

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