SPD Brookmerland beschließt Anträge zur Plastikfreiheit und zu Streuobstwiesen

Brookmerland soll ökologischer ausgerichtet werden, Belange mobilitätseingeschränkter Menschen sollen mehr in der Vordergrund rücken

(Brookmerland) Auf dem am vergangenen Wochenende stattgefundenen Parteitag der
Brookmerländer Sozialdemokraten beschlossen die Delegierten einstimmig zwei Anträge zu umwelt-
und naturschutzpolitischen sowie einen Antrag zur Verbesserung des Bewegungsspielraumes von in
der Mobilität benachteiligter Menschen im Brookmerland.

Den Antrag des Brookmerländer Parteivorstandes zur freiwilliger Selbstbeschränkung bei der
Verwendung von Plastiktüten brachte Vorstandsmitglied Harald Greiner (Osteel) ein. Greiner erläuterte
in seinen Ausführungen den Hintergrund des Antrages. So wächst weltweit die Menge an Plastikmüll in
Müllaufbereitungsanlagen sowie auch in den Weltmeeren. Dieser setzt sich zum größten Anteil aus
Plastiktüten zusammen, die bereits schon nach einmaliger Benutzung entsorgt werden. Weder normale Plastiktüten noch sogenannte Bio-Plastiktüten sind nachhaltig kompostierbar; dies haben Forschungen des Alfred-Wegener-Institutes eindrucksvoll gezeigt, so dass als vermeintlicher Ausweg nur die thermische Behandlung verbleibt. Allerdings werden bei dieser Verbrennung giftige Dioxine erzeugt, die sich trotz entsprechender Filtertechnologien in der Atmosphäre wieder finden. Ebenso sei die Vermüllung unserer Meere mit Plastikabfällen ein ernsthaftes Problem. Nicht nur, dass Plastikabfälle häufig ursächlich für Tod und Verletzung von Meerestieren und Seevögel sein; ein weitaus größeres Problem stelle hier die Aufnahme sogenannter Mikroplastik-Partikel über Kleinstlebewesen, Krebstiere und Fische in die Nahrungskette des Menschen.

Vor diesem Hintergrund hat sich der Brookmerländer SPD-Vorstand entschlossen einen politischen
Beitrag zur Vermeidung von Plastikabfällen im Brookmerland zu leisten. Über den Antrag möchten die
Genossen die Idee einer freiwilligen Selbstverpflichtung bei der Abgabe von Plastiktüten in Handel und
Gewerbe initiieren. Dazu werden die ortsansässigen Geschäfte schriftlich und über die Presse gebeten, sich an der Aktion zu beteiligen. Mit dem Alleinstellungsmerkmal „Plastik frei – Einkaufen im
Brookmerland“ wirbt die Samtgemeinde für sich und leistet einen erheblichen Beitrag zum Klima- und
Umweltschutz. Für Handels- und Gewerbetreibende liegen die Vorteile bei der Verwendung vonBaumwolltaschen gegenüber Plastiktüten ebenfalls auf der Hand Auch wenn diese zunächst in der
Anschaffung teurer sind, wird eine meist als Werbeträger genutzte Baumwolltasche vermutlich nur in
den seltensten Fällen sofort weggeworfen. Der Werbeeffekt vervielfacht sich. Für die Bürger besteht so
die Möglichkeit, mit relativ geringem Aufwand ebenfalls einen solchen Beitrag zu leisten. Auch
Bevölkerungsgruppen mit geringem Einkommen sind hier nicht ausgeschlossen.

Im zweiten Antrag an den Parteitag „Wiederansiedlung von Steinkauz und Wildbienen“, der vom SPD-
Ortsverein Osteel eingebracht wurde, erläutert die stellvertretende Vorsitzende Ida Bienhoff-Topp die
Inhalte. In einen bestimmten Projektradius innerhalb der Gemeinde Osteel soll durch die Schaffung
neuer Streuobstwiesen sowie die Installation geeigneter Nisthilfen eine selbsttragende Population des
Steinkauzes angesiedelt werden. Die Streuobstbäume sollen auf ungenutzten Flächen innerhalb der
Gemeinde gepflanzt und durch Patenschaften finanziert werden. Zusätzlich teilt Bienhoff-Topp mit, dass von den einstmals in Deutschland lebenden 561 Wildbienenarten mehr als die Hälfte in ihrem Bestand gefährdet seien. Ebenso gehen die Bestände der Honigbiene zurück und können nur durch die Anlage neuer Lebensräume und Nahrungsquellen erhalten werden. Ursächlich für den Rückgang sind zum Einen eine Intensivierung der Landwirtschaft mit der Beseitigung von blühpflanzenreichen Randstrukturen, Streuobstwiesen, Hecken und Feldgehölzen sowie zum Anderen der Einsatz von bienentoxischen Pflanzenschutz- und Wachstumsbeschleunigungsmitteln. In den daraus resultierenden monokulturellen Landschaften finden die Tiere nicht mehr ausreichend Nahrung. Hier wollen die Osteeler Sozialdemokraten mit dem Anlegen von blütenreichen Streuobstwiesen und einer maximal zweimaligen Mahd pro Jahr entgegensetzen. Es sollen in der Gemeinde so wieder artenreiche Wiesen entstehen, die verschiedenen Tieren während der gesamten Vegetationsperiode eine ausreichende Nahrungsgrundlage liefert, die für die Sicherung vitaler Bestände unerlässlich ist. Hierbei sollen auch Wegseitenräume in die Betrachtungen mit einbezogen werden, so Bienhoff-Topp.

Im dritten Antrag „Barrieren abbauen – Lebensqualität sichern“, den die Arbeitsgemeinschaft SPD 60
Plus einbringt, erläutert 60Plus-Vorstandsmitglied Peter Tanzmann die Intentionen des Antragstellers.
Durch die Absenkung der Bordsteinkanten in den Kernbereichen von Marienhafe und dem
Gewerbegebiet Osterupgant sollen für mobilitätseingeschränkte Menschen (Rollstühle, Rollatoren,
Gehhilfen, Kinderwägen) bessere und sicherere Möglichkeiten zur Straßenüberquerung geschaffen
werden. Ebenso soll auch in der Rosenstraße das grassierende „Parkunwesen“ (halb-seitiges Parken
auf den Bürgersteinen sowie im unmittelbaren Kreuzungs- und Einmündungsbereich von
Nebenstraßen) strikter als bisher reglementiert und geahndet werden. Durch verkehrswidriges Halten
und Parken kommt es besonders an Markttagen hier immer wieder zu heiklen Situationen, da diese
Hindernisse dann auf der Fahrbahn umgangen werden müssen. Tanzmann hofft hier in erster Linie auf
eine breite Kampagne zur Aufklärung der Fahrzeugnutzer, da Sanktionen für ihn immer der letzte
Schritt seien. Behindertenbeauftragter Hermann Rühaak unterstützt die Ausführungen von Tanzmann
und erläutert die aktuellen Vorschriften zum Einbau sogenannter Bodenindikatoren für Behinderte.
Gemeinsam mit den vorhandenen und auch den zukünftig zu erreichenden barrierefreien
Wohnobjekten verbessert eine Barrierefreiheit in den genannten Bereichen mittels der aufgeführten
Maßnahmen signifikant die Lebensqualität von in der Mobilität eingeschränkten Personen im
Brookmerland, so der Schluss des Antrages.